Am 27.Juli 2020 öffnet Mini-München zum 20. Mal seine Pforten

PROJEKTVORSTELLUNG

Die Spielstadt Mini-München ist Münchens größtes Ferienangebot. In ihrer eigenen Stadt können Kinder und Jugendliche zwischen 7-15 Jahren arbeiten, studieren, Geld Geld, konsumieren, bauen, Politik machen und vieles mehr. Auch in diesem Sommer: Mini-München passt sich der aktuellen Lage an und findet dezentral über das Münchner Stadtgebiet verteilt statt.

Die Stadt als Thema und pädagogisches Potenzial

Mini-München ist eine temporäre Modell-Stadt für Kinder, die Einrichtungen und Prozesse einer realen Stadt aufgreift und abbildet. Wie entwickelt sich das Leben in einer Stadt, wie arbeiten ihre Einrichtungen zusammen, wie sind die kommunale Politik, der Kreislauf von Arbeit, Geld und Konsum organisiert? Die Spielstadt stellt das Leben einer realen Stadt auszugsweise nach und organisiert es so, dass es für Kinder zugänglich wird: in seinen strukturellen

Elementen, Einrichtungen und deren räumlichen Arrangements, und in ihrem Personal, den Berufen und Rollen des urbanen Alltags. Die Realität der großen Stadt verbindet sich mit der Spielstadt und umgekehrt – getragen von der Imaginationskraft der Kinder. Die Verbindung dieser beiden sonst strikt getrennten Realitäten macht den pädagogischen Ansatz der Spielstädte so einzigartig und bildet ein offenes Lernumfeld, in dem sich Wissens- und Kompetenzerwerb mit Faszination und Spaß verbinden. Didaktisch gesprochen: Spielen und Lernen sind in der Spielstadt produktiv miteinander verknüpft.

Ein außergewöhnliches Jubiläum – Mini-München findet STADT!

Seit vielen Monaten bereitet sich Mini-München auf ein großes Fest vor: die 20. Ausgabe und das 40-jährige Jubiläum der Spielstadt. Die Covid-19-Pandemie hat die fortgeschrittenen Planungen durchkreuzt: als Großveranstaltung auf dem Gelände des Showpalastes im Münchner Norden, mit zum Teil weit über 2000 Mitspieler*innen pro Tag, ist Mini-München in diesem Jahr nicht möglich.

Doch die Spielstadt fällt nicht einfach aus, sondern erfindet sich neu! Wir sehen uns in der Verantwortung gegenüber den Kindern der Stadt, die sich schon lange auf Mini-München freuen, und deren Lernorte und öffentliches Leben nun monatelang auf Eis lagen. Daher passen wir das Konzept an und richten viele kleine Spielorte ein, die sich zu Mini-München verbinden. Die Spielstadt rückt ins Münchner Stadtbild: ihre Einrichtungen und Betriebe – darunter Bank, Arbeitsamt, Kunstakademie, Handwerksbetriebe, Theater, Kino, Geschäfte, Radio, Fernsehstudio und Zeitung – verteilen sich auf Münchner Stadtteile und Parks. Manche Mini-Münchner*innen übernehmen gar authentische Funktionsorte der großen Stadt – vom Gärtnereibetrieb bis zur Hochschule, der Stadtbibliothek und zum Museum.

Die Grundidee der Spielstadt hat auch bei der dezentralen Umsetzung Bestand: Die Kinder und Jugendlichen bilden ihre eigene Stadt, deren Geschicke sie lenken. Die vielfältigen Aktionen und Entscheidungen der zahlreichen Mitspieler*innen imitieren nicht nur die große Stadt, sie erschaffen eine eigene, koproduzierte, temporäre „städtische“ Realität, die Anlass gibt zum künstlerischen, sozialen und politischen Handeln. Die Distanzen zwischen den Stadtteilen spielerisch zu überbrücken und das gemeinsame Stadtleben auch aus der Ferne, ohne die bewährte, dichte Mini-Münchner Stadtkulisse aufrecht zu erhalten, ist eine neue Herausforderung, für Kinder wie Erwachsene. Gemeinsam mit den Mini-Münchner*innen lassen wir uns auf dies Experiment ein – und sehen darin auch neue Spielmöglichkeiten.

Analog und digital: Mini-München stadtweit vernetzt

Verteilt auf das Münchner Stadtgebiet baut Mini-München seine digitale und kommunikative Infrastruktur aus und setzt auf Innovationen im Spielbetrieb. Wichtige Spielfunktionen können auch aus der Distanz wahrgenommen werden: die Kinder im Arbeitsamt bieten telefonische Beratung bei der Jobsuche, die in den Werkstätten produzierten Waren werden per Versandhandel verkauft, und eine neue Internetplattform ermöglicht den Mini-Münchner*innen Online-Banking und den Zugriff auf die tagesaktuellen Spielstadtmedien. Der Mini-München-Radiosender sendet live und direkt Informationen in alle Betriebe, und die Sekretariate sind mit Telefonanschlüssen ausgestattet. Zwischen den Werkstätten und Spielorten werden Kurierdienste und Warentransporte per Lastenrad ausgeführt.

Eckpunkte zur Umsetzung

Die Spielstadtbetriebe verteilen sich auf Orte im Münchner Westen, Norden und Osten sowie im Stadtzentrum. Alle Kinder erhalten wie jedes Jahr einen Spielpass, der die ganze Spielzeit über Gültigkeit behält. Der Spieleinstieg ist an jeder dieser Spielstätten möglich. Die Betriebe und Einrichtungen bieten täglich Arbeitsplätze für mindestens 500, falls weitere Lockerungen möglich sind, für bis zu 1000 Kinder gleichzeitig. Über die Online-Plattform können sich weitere Kinder auch von zuhause aus ins Spiel einschalten und beispielsweise mit Aktien handeln oder im Home-Office einen Artikel für die MiMüZ schreiben. Die Spielstadt Mini-München war immer ein offenes Programm; es ist unser Bestreben, auch in diesem Jahr offene, niedrigschwellige Einstiege zu ermöglichen. Erforderlichen Auflagen etwa zu Hygiene und Kontaktnachverfolgung werden erfüllt und in das Spielsystem integriert; die Durchführung der Veranstaltung erfolgt in enger Abstimmung der Genehmigungsbehörde sowie mit der Fachabteilung des Stadtjugendamts.

Über 40 Partner-Organisationen und Einrichtungen beteiligen sich an Mini-München findet STADT und bereichern aktiv das Programm. Die Finanzierung der Spielstadt wird zum Großteil aus städtischen Mitteln (Sozialreferat/Stadtjugendamt) und durch Beiträge von Sponsoren und Förderern finanziert.

Informationen zu Kultur & Spielraum e.V.

Der Verein entwickelt und organisiert seit 1970 kulturpädagogische Projekte für Kinder und Jugendliche. Seit 1989 führt er den Namen Kultur & Spielraum, ist als gemeinnützig anerkannt und Maßnahmeträger des Stadtjugendamtes München (Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe gem. §75 KJHG).
Der Aufgabenschwerpunkt liegt in den Bereichen außerschulischer Kulturarbeit und offener Bildungsangebote. Der Verein betreibt im kommunalen Auftrag zwei Kinder- und Jugendkulturwerkstätten und organisiert Programmangebote zu unterschiedlichen Anlässen und an wechselnden Orten in der ganzen Stadt (Kulturpädagogischer Dienst). Darüber hinaus ist er für die Durchführung zentraler und stadtweiter Kinder- und Jugendforen zuständig (Münchner Kinder- und Jugendforum). Er ist koordinierend für den Verbund der Münchner Jugendkunstschulen und für den Kinder-Kultur-Sommer tätig und beteiligt sich an gesamtstädtischen Konzeptionsprozessen im Bereich der kulturellen und politischen Bildung.
In überregionalen Zusammenhängen veranstaltet Kultur & Spielraum unterschiedlichste Kulturprojekte für andere Kommunen oder Auftraggeber. Eigene Dokumentationen, Verlagspublikationen sowie Fortbildungen vermitteln die Praxis des Vereins an Fachpublikum und Interessierte.