Projektvorstellung

Mini-München als Modell gesellschaftlichen Lernens

Grundidee und Modellcharakter

Die Spielstadt Mini-München ist ein modellhaftes Abbild der großen Stadt. Ihre Themen und Strukturen orientieren sich an realen urbanen Lebensbereichen wie Arbeit und Studium, Politik und Verwaltung, Kultur sowie Teilhabe am öffentlichen Leben. In einer ästhetisch inszenierten Welt aus Messewänden und Kulissen eröffnet Mini-München Kindern die Möglichkeit, städtisches Leben probeweise im Spiel zu erfahren – jedoch in ernst genommenen Rollen und Funktionen.

So können Kinder nachvollziehen und nachhaltig begreifen, wie Stadtleben funktioniert: Wie werden Entscheidungen getroffen? Wie arbeiten Verwaltung und Politik? Wie hängen Arbeit, Geld, Steuern und Konsum zusammen? Die Realität der großen Stadt bleibt dabei stets anschlussfähig an die fantasievoll weiterentwickelte Spielwelt der Kinder – und umgekehrt. Diese wechselseitige Verbindung bildet die zentrale pädagogische Qualität des Konzepts.

Das Spiel: Einstieg, Regeln und Teilhabe

Beim ersten Besuch erhalten die Kinder einen Mitspiel-Pass sowie alle notwendigen Informationen. Wenige, überschaubare Regeln ermöglichen einen unmittelbaren Einstieg ins Spiel. Arbeits- und Studienzeiten werden im Pass dokumentiert.

Am Arbeitsamt wählen die Kinder aus über 800 Arbeitsplätzen eine freie Stelle. Das verdiente Spielgeld wird nach Abzug einer Steuer ausgezahlt und kann gespart oder in Einrichtungen wie Kaufhaus, Gasthaus, Kino oder Theater ausgegeben werden. An der Hochschule werden täglich Studienplätze angeboten, die von Kindern und Erwachsenen als Professor:innen gestaltet werden.

Wer jeweils vier Stunden gearbeitet und studiert hat, kann Vollbürger:in werden. Diese erhalten erweiterte Rechte: Sie können sich zur Bürgermeister- oder Stadtratswahl aufstellen lassen, Unternehmen gründen, Grundstücke pachten oder Häuser bauen.

Selbstorganisation und Dynamik

Das Grundspiel mit seinen Regeln ist seit über 40 Jahren nahezu unverändert. Die konkreten Abläufe innerhalb der Einrichtungen sowie ihre Wechselwirkungen entwickeln sich jedoch jedes Mal neu, getragen von den jeweils teilnehmenden Kindern.

In allen Bereichen übernehmen die Kinder nicht nur verschiedene Berufsrollen, sondern auch Verantwortung für Organisation und Management des Alltags: Sie regeln Arbeitseinstellungen und Entlohnung, gestalten Preise, organisieren Materialnachschub, koordinieren Ein- und Verkauf und pflegen Kontakte zwischen den Einrichtungen. Als Bürger:innen engagieren sie sich aktiv für ihre Stadt und deren Weiterentwicklung.

Kulturelles und öffentliches Leben

Das kulturelle Leben der Spielstadt ist vielfältig und lebendig. Es umfasst sowohl von Kindern selbst gestaltete Ereignisse als auch Impulse aus der großen Stadt: Konzerte, Tanz- und Theateraufführungen, Vorlesungen, Wahl- und Gerichtstage, Kinopremieren, Modeschauen, Stadtmarathon, Olympiaden, Ausstellungen, Markttage, Richtfeste, Lesungen sowie Besuche von Politiker:innen, Künstler:innen, Presse und internationalen Delegationen. Die Spielstadt ist unterteilt in Straßen, Plätze, Ruhezonen. Die Anordnung der Bereiche schafft räumliche Verdichtungen und frei gestaltbare Zonen. Das öffentliche Leben spielt sich dort ab, vieles ergibt sich spontan und im zufälligen Aufeinerandertreffen von verschiedenen Spielhandlungen.

Einrichtungen der Spielstadt

Mini-München verfügt über eine große Bandbreite an Einrichtungen, darunter: Einwohnermeldeamt, Arbeitsamt und Bank, Handwerkerhof und Werkstätten, Kaufhaus und Markttage, Rathaus und Stadtverwaltung, politische Ämter, Zeitung, Fernsehsender und Radio, Hochschule und Forschungsstadt, Kunstakademie und Theater, Gasthaus, Klimaschutzzentrum, Pop-Akademie, Straßenreinigung und Müllabfuhr, Gärtnerei, Planungsbüro und Bauhof, Werbestudio und Druckerei, Bibliothek, Filmstudios, Jahrmarkt, Zirkus, Sporteinrichtungen, Botschaften, Museum – und vieles mehr.

Pädagogische Leitideen

Kinder sind neugierig und lernbereit. Sie sind zugleich Forscher:innen und Gestalter:innen, wenn ihnen geeignete Räume, Zeit, Material und unterstützende Partner zur Verfügung stehen. Jedes Kind lernt auf seine eigene Weise, in seinem eigenen Tempo und zu individuellen Zeitpunkten.

Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee der Spielstadt. Ihr offenes Konzept markiert einen pädagogischen Paradigmenwechsel: Zwar sind Regeln und ästhetische Rahmung von Pädagog:innen entworfen, doch die inhaltliche Dynamik des Stadtlebens wird von den Kindern selbstbestimmt gesteuert und gestaltet.

Belehrung tritt zurück zugunsten einer reichhaltigen materiellen Ausstattung und einer Inszenierung, die produktives Handeln ermöglicht. Lernen entfaltet sich so als selbstbewusster Erfahrungsprozess, verstärkt durch die Einbindung in die sozialen Situationen, die das Stadtspiel hervorbringt.

Mini-München ist ein komplexes Spiel- und Kulturprojekt sowie ein umfassendes Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche von 9 bis 15 Jahren. Die Spielstadt ist ein offener Treff- und Verhandlungsort für viele kinderrelevante Themen und bietet ihren Bürger:innen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Bildungshintergrund vielfältige Spiel-, Spaß-, Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten. In diesem Sinne ist Mini-München eine „Schule des Lebens“ – par excellence.

Daten und Fakten

Mini-München findet alle zwei Jahre während der Sommerferien statt und dauert drei Wochen. Die Spielstadt ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die Teilnahme ist kostenlos; Kinder können kommen und gehen, wann sie möchten.

Im Jahr 2024 besuchten knapp 32.000 Kinder und Jugendliche die Spielstadt, zusätzlich tausende Eltern und interessierte Erwachsene. Rund 200 Erwachsene begleiten das Projekt: Pädagog:innen, Künstler:innen, Handwerker:innen und Berufsexpert:innen. Jugendliche ab 16 Jahren können wochenweise als Volunteers mitarbeiten. Über 40 Partnerorganisationen beteiligen sich mit eigenen Einrichtungen und Ideen.

Die erste Spielstadt Mini-München wurde 1979 im Olympiapark durchgeführt – anlässlich des Internationalen Jahres des Kindes. Heute ist Mini-München das größte offene kommunale Spiel- und Bildungsprojekt der Stadt München, mit bis zu 2.500 Kindern täglich. Weltweit existieren inzwischen zahlreiche Nachfolge-Kinderstädte; das Projekt wurde mehrfach ausgezeichnet.

Die Spielstadt Mini-München ist eine Veranstaltung von Kultur & Spielraum e.V.