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Mini-München

Pädagogische Leitideen

Kinder sind neugierig und wissbegierig. Sie können nicht anders als lernen. Jedes Kind ist aber anders, hat seine eigene Art des Lernens, eigene Zeitfenster und „fruchtbare Augenblicke“ für den Zugang zu Wissen und praktischer Aneignung von Welt. Für die Pädagogik bedeutet dies, Lernmilieus offen zu konzipieren und bereitzustellen. Lernorte und Lernanlässe vereinen sinnvoller Weise sowohl kognitives wie affektiv-emotionales Lernen und vor allem in einem von Kindern mit zu gestaltenden Prozess.

Die Regeln der Spielstadt Mini-München sind zwar von Pädagogen didaktisch entworfen, ihre Einbettung in eine ästhetische Inszenierung von Erwachsenen vorgegeben, aber es sind die Kinder selbst, welche die inhaltliche Dynamik des Spielstadtlebens selbstbestimmt steuern und produktiv gestalten.

Die Spielstadt Mini-München ist ein modellhaftes Abbild der großen Stadt, die die Themen und Inhalte des Spiels vorgibt: Arbeit und Studium, Politik, Verwaltung, Kultur und am öffentlichen Leben teilnehmen. Die inszenierte Welt der Spielstadt eröffnet den Kindern die Möglichkeit, probeweise im Spiel, aber in ernst genommenen Rollen und Funktionen ein städtisches Gemeinwesen, und im weitesten Sinne soziales Leben, zu erfahren und nachhaltig zu begreifen.

Das Projekt Spielstadt

Mini-München – eine dreißigjährige Erfolgsgeschichte

Die Geschichte der Spielstadt begann vor 30 Jahren in einer Sporthalle im Münchner Olympiapark – 2010 wird nun schon die 15. Spielstadt realisiert.
Das „Jahr des Kindes“ 1979 bot den Anlass seinerzeit, die Kinder gaben der Stadt ihren Namen: Spielstadt Mini-München. Erst mit Sondermitteln der Stadt zum „Jahr der Jugend“ konnte das Projekt erneut realisiert werden und dann waren es die Kinder selbst, die eine kontinuierliche Finanzierung der Spielstadt sicher stellten. Die damalige Bürgermeisterin und die Stadträte von Mini-München überzeugten ihre Kollegen im Rathaus der großen Stadt von ihrem Projekt und seither findet Mini-München alle zwei Jahre mit einer Grundfinanzierung von seiten der Landeshauptstadt statt.
28.000 Kinder und Jugendliche besuchen durchschnittlich ihre Stadt und dazu kommen ca. 3000 erwachsene Besucher und Gäste.
Die Spielstadtidee hat inzwischen weltweit Nachahmung gefunden mit Projekten im gesamten deutschsprachigen Raum, in Europa und Asien. Allein in Japan gibt es bereits 35 temporäre Spielstädte für Kinder.

Mini-München – die kleine Stadt in der großen Stadt

Das Thema von Mini-München heißt Stadt: Wie funktioniert das Stadtleben, wie die Verwaltung, die lokale Politik, der Kreislauf von Arbeit, Geld und Konsum? Die Spielstadt bildet die städtische Alltagswelt in Anteilen ab, damit sie der Erfahrung der Kinder zugänglich wird. Das bezieht sich auf ihre strukturellen Elemente genauso wie auf ihre räumliche Inszenierung – die Wirklichkeit der großen Stadt bleibt damit anschlussfähig an die phantasievoll entwickelte Kinderwelt und umgekehrt. Die Brücken zwischen diesen Wirklichkeiten machen die entscheidende Qualität dieses pädagogischen Ansatzes aus, der zugleich Lernen und Wissenserwerb wie Faszination und Spaß gewährleistet.

Einrichtungen von Mini-München

Einwohnermeldeamt, Arbeitsamt und Bank, Handwerkerhof und Werkstätten, Kaufhaus und Markt, Rathaus und seine Verwaltung, Zeitung, Fernsehen, Radio, Hochschule und Forschungsstadt, Kunstakademie und Theater, Gasthaus und Elterncafé, Umweltbüro und Müllabfuhr, Gärtnerei, Planungsbüro und Bauhof, Werbestudio und Druckerei, Bibliothek, Filmwerkstatt, Krankenhaus, Jahrmarkt, Zirkus, Sportbereich, Botschaften, Museum … und andere mehr.
In allen Bereichen übernehmen die Kinder die vielfältigen Berufsrollen und zugleich Regie und Management der Alltagsgeschäfte: Sie regeln die Arbeitseinstellung, die Entlohnung, den Ein- und Verkauf, die Gestaltung der Preise und kümmern sich um Kontakte zwischen den verschiedenen städtischen Einrichtungen und engagieren sich als Bürgerinnen und Bürger in verschiedenster Art und Weise.

Mini-München – die Stadt der Kinder

Die Kinder sind die Akteure und Macher in ihrer Stadt. Wenige Regeln erlauben den sofortigen Einstieg ins Spiel. Mehr als 800 Arbeitsplätze warten auf die Kinder. Das verdiente Spielgeld wird, nach Abzug einer Steuer, gespart oder kann im Kaufhaus, Gasthaus, Kino oder Theater ausgegeben werden. Über 500 Studienplätze werden täglich angeboten und das Studieren so wie die Arbeit entlohnt. Kinder wie Erwachsene sind Professoren und vermitteln ihr Wissen.
Wer vier Stunden gearbeitet und vier Stunden studiert hat, kann Vollbürger werden. Diese dürfen wählen und können sich als Bürgermeister oder Stadtrat wählen lassen. Sie können als Unternehmer selbstständig werden, ein Grundstück erwerben und ein Haus bauen. Das Grundspiel mit seinen Regeln ist seit 30 Jahren nahezu unverändert – die Binnenverläufe in und zwischen den Einrichtungen verändern sich jedoch laufend mit den Kindern.

Veranstaltungen in Mini-München

Das kulturelle Leben in der Spielstadt ist reich an Ereignissen, die entweder durch die Kinder selbst gestaltet werden oder aus der großen Stadt kommen: Konzerte, Tanz- und Theateraufführungen, Vorlesungen, Wahl- und Gerichtstage, Kinopremieren, Modeschauen, Stadtmarathon, Olympiade, Ausstellungseröffnungen, Markttage, Richtfeste, Lesungen, Besuche von Stadtpolitikern, Schauspielprominenz, Presse und Delegationen aus anderen Spielstädten und anderen Ländern.

Mini-München International – ein Fenster zur Welt

Mit dem Zusatz „International“ wird der Tatsache Rechnung getragen, dass München Kinder vieler Nationalitäten beherbergt, die als Bürgerinnen und Bürger der Spielstadt herzlich willkommen sind. Eigene Sonderthemen tragen zu Begegnung und Austausch der Kinder untereinander bei. Im Europa-Spielraum, in Ausstellungen wie „Kinderleben in den Favelas“ oder „Spielzeug aus aller Welt“ und in Themenhäusern, wie dem Japanischen Teehaus wird die Neugierde für Fremdes geweckt und in das Spielstadtleben integriert.
Mit der Einrichtung wochenweiser ausländischer „Botschaften“, die von Kindern aus den jeweiligen Ländern (und zum Teil in Spielstädten dort) für Mini-München vorbereitet werden, kann kulturelle Vielfalt sinnhaft dargestellt werden und ist unmittelbar und authentisch für alle Mini-Münchner erlebbar. 2010 werden Kinder aus Italien, Österreich, Tschechien, Frankreich, aus Südamerika, Japan und Indien erwartet.

Mini-München – Daten & Fakten

Die Spielstadt findet alle zwei Jahre im Münchner Olympiapark statt. Mini-München ist das größte kommunale Ferienprogramm der Stadt München und wird von bis zu 2000 Kindern täglich besucht.
Die meisten kommen aus München und dem Umland, aber nicht wenige auch von weiter her, aus anderen Teilen Deutschlands und der Nachbarländer. Dies sind häufig Kinder, die wegen Mini-München ihre Sommerferien bei Verwandten oder Bekannten in München verbringen.
Mini-München ist täglich von 11.00 – 18.00 Uhr geöffnet, bis auf Sonntag und Montag.
Die Teilnahme ist kostenlos und die Kinder können ohne Anmeldung und sooft kommen und solange teilnehmen, wie sie wollen. Betreute Kinder- und Jugendgruppen müssen sich anmelden.
Beim ersten Besuch erhalten die Kinder einen Stadtausweis mit vielen Informationen und den Spielregeln. Eltern und Erwachsene sind als Besucher willkommen, dürfen sich aber nicht in das Spielstadtgeschehen einmischen.
Alle Bereiche der Spielstadt sind barrierefrei erreichbar.
Mini-München wird von ca. 140 Erwachsenen betreut: Pädagogen, Künstler, Handwerker, Berufsexperten aus unterschiedlichen Bereichen, darunter sind inzwischen auch viele ehemalige Spielstadt-Kinder. Wochenweise können jugendliche Volunteers (ab 16 Jahren) als Betreuer in der Spielstadt mitarbeiten.
Mini-München kostet rund 225.000 Euro und wird je zur Hälfte aus städtischen Mitteln und Beiträgen von Sponsoren und Förderern finanziert. Dazu kommt ein Beitrag der Kinder, den sie durch ihre Arbeit im Elterncafé erwirtschaften.

Informationen zu Kultur & Spielraum e.V. München

Der Verein entwickelt und organisiert seit 1970 kulturpädagogische Projekte für Kinder und Jugendliche. Seit 1989 führt er den Namen Kultur & Spielraum, ist als gemeinnützig anerkannt und Maßnahmeträger des Stadtjugendamtes München.
Seine Hauptaktivitäten befassen sich mit außerschulischer, offener Bildungsarbeit für Kinder. Im kommunalen Auftrag betreibt Kultur & Spielraum e.V. zwei Kinder- und Jugendkulturwerkstätten in Bürgerhäusern der Stadt. Er organisiert als Kulturpädagogischer Dienst Aktionen und Programmangebote temporär und an wechselnden Orten in der ganzen Stadt und zu unterschiedlichen Anlässen. Darüber hinaus ist er für die Durchführung zentraler und dezentraler Kinder- und Jugendforen im Rathaus und in den Stadtteilen verantwortlich. Er ist koordinierend für den Verbund der Münchner Jugendkunstschulen und für den Kinder-Kultur-Sommer tätig und beteiligt sich aktiv an gesamtstädtischen Gestaltungs- und Konzeptionsprozessen im Bereich der kulturellen und politischen Bildung. Kultur & Spielraum veranstaltet Kulturprojekte für Kinder in überregionalen Zusammenhängen und für private Auftraggeber. Neben weitreichender Fortbildungstätigkeit unterhält er außerdem einen kleinen Verlag für didaktische Materialien und pädagogische Veröffentlichungen.